Integrative Validation® nach Richard (IVA)

Entwicklung
Die Integrative Validation® ist eine ressourcenorientierte Methode für den Umgang und die Kommunikation mit Menschen mit Demenz, die als Basis und Haltungsbeschreibung für die im Wohnbereich, in Gruppenräumen, bei der Begleitung und Pflege stattfindenden Kontakte zu verstehen ist. Sie ist eine Weiterentwicklung der Validation nach Feil. Die Integrative Validation® nach Richard ist entstanden aus einer fünfjährigen Bundesarbeitsgemeinschaft in Deutschland zwischen Praktikern, Leitungs- und Lehrkräften der Altenhilfe.

Methodik
Die Integrative Validation® nach Richard (IVA) geht in der Begleitung von Menschen mit Demenz von den der Erkrankung zugrunde liegenden hirnorganischen Abbauprozessen und den damit in Verbindung stehenden Verlusten und Einbußen aus. Die IVA stellt die Ressourcen Gefühle und Antriebe des Erkrankten bewusst in den Mittelpunkt, erklärt sie für gültig,  richtungsweisend und bestätigt sie. Es geht um die grundsätzliche Akzeptanz der inneren Erlebniswelt von Menschen mit Demenz und um die weitestgehende Einbindung dieser „Demenz-Normalität“ in den Pflege- und Begleitungsalltag. Dies beinhaltet die Akzeptanz der teilweise extremen Gefühlsbefindlichkeiten (Wut, Trauer) und der lebenslang gültigen, häufig verhaltensbeschreibenden Antriebe (Ordnungssinn, Strenge, Etikette) der erkrankten Personen. Die IVA bindet eine biografische Suchhaltung (Biografie-Orientierung) und die Bereitschaft zur Berücksichtigung der non- und paraverbalen Aspekte der Kommunikation mit ein. Insbesondere das „Validieren im Vorübergehen“, in der Weiterentwicklung (Aufbaukursniveau) als „Ritualisierte Begegnung“, verdeutlicht, dass eine angemessene gefühlsorientierte Haltung und Kommunikationsform eine unerlässliche Basis für die Arbeit mit demenzerkrankten Personen ist und dass das Prinzip Kommunikation vor Pflegehandlung, Kontakt vor Funktion Ausgangspunkt für die Begleitung und Pflege sein müssen. Von besonderer Bedeutung sind die Bemühungen der IVA um Zurückgabe der ICH-Identität und um Schaffung nachvollziehbarer Lebenswelt-Kontexte für die Erkrankten. IVA baut Vertrauen auf, wirkt identitätsgebend und stärkt durch das Aufgreifen von Gefühlen und Antrieben die lebendigen Kompetenzen der Betroffenen.

“integrativ“
Das Wort „integrativ“ kann mehrfach verstanden werden: Zunächst wird durch das Vorgehen im Sinne der IVA das vermeintlich unsinnige Verhalten der Menschen mit Demenz in einem Sinnzusammenhang gesehen, er wird in einem Kontext integriert – die zunächst unpassende Aussage „Ich will zu meiner Mama“ passt nun wieder zum Erleben der Person, ist eingeordnet und verstanden.Damit integriert sich der Betreffende wieder stärker in sein Umfeld, seine Handlungsmöglichkeiten werden erweitert. Im dritten Wortsinn findet sich die IVA in den Alltag des Menschen mit Demenz integriert, fügt sich ein, kann wirksam werden, sozusagen „Im Vorübergehen“. Die vierte Bedeutung bindet die Verzahnung der Methode der Integrative Validation® nach Richard mit benachbarten Disziplinen und Themen ein (Körpersprache, Biografie-, Milieuarbeit, Umgang mit sexualisierten Begegnungen, mit herausforderndem Verhalten, mit dem Energiefresser Aufregung, Ernährung usw.).


Nicole Richard
Institut für Integrative Validation®
Kassel 02/2010

 

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